Season Review Team Lähndorf
veröffentlicht: 9.11.2008 um 21:19 von Dragstripper.
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Aus unserer bereits begonnenen Reihe, “Dragracer und ihre Sommererlebnisse 2008″ haben wir heute das Vergnügen den Worten des langgedienten und erfolgreichen Competition Eliminator Fahrer Björn Lähndorf aus Lübeck zu lauschen. Er pilotiert eines meiner Lieblingsfahrzeuge auf dem Strip, einen mindestens 18 Meter langen Pontiac Les Mans älteren Baujahres. Viel Vergnügen mit seinen Ausführungen.
April 08
Der Saisonstart 2008 ist in greifbare Nähe gerückt. Der „kleine“ Fehler, der uns in Hock 07 unterlief ist auch wieder behoben (Kopfdichtfläche derart durchgebrannt, dass ich den Mittelfinger reinlegen konnte). Eins ist klar; wer nix kaputt macht, wird nie wirklich schnell. Habe aber trotzdem noch zweimal „Fuel injection secrets“ von Herrn Szabo durchgeackert – langsam dämmerts. Also der neue Mert 14-71 high helix retro wird’s dem Motörchen unter ihm schon besorgen.

Test & Tune Luckau
Wir sind immer noch unschlüssig wie der neue Kompressor zu übersetzen ist, entscheiden uns für ein konservatives Set up (wie ich dachte).
1. Lauf: 4.9 irgendwas, das sind schon mal 4/10 unter Index – auf der 1/8 mile! 43 PSI Durchschnittsladedruck, Peak auf über 50 PSI. Das Teil geht jetzt auch obenrum wie doof. Abgastemperatur ca. 50 – 70 ° zu hoch – das kriegen wir hin. Euphorie macht sich breit.
2. Lauf: ziemlich spät abends; die Luftfeuchtigkeit wird langsam zu hoch; ich weiß nicht ob die Bahn das noch hält. Natürlich hält sie es nicht. Short geshifted, trotzdem Wheelspin und den Lauf abgebrochen. Das Getriebe fühlt sich aber schon ziemlich matschig an – lag sicher an der Traktion.

3. Lauf: Neuer Tag, neues Glück . Der Burnout fühlt sich aber komisch an – der Motor kreischt wie Sau, aber irgendwie raucht es so gut wie gar nicht – hmm? Egal ich fahr da jetzt noch mal runter – wird schon gehen. Geht natürlich nicht. Nach ca. 100 Metern zieh ich eine derartige Qualmwolke hinter mir her, dass die Feuerwehr ausrückt. Ich sitz in der Karre und kann die Hand vor Augen nicht mehr sehen; zu allem Überfluß ziehe ich von ganz rechts nach ganz links an den Rand rüber und veröle auch noch beide Bahnen. Klassischer Anfängerfehler. Jerry kommt hektisch angejagt und erkundigt sich nach meinem Befinden, schüttelt tadelnd aber versöhnlich den Kopf – ich scharre verlegen im mit Getriebeöl vollgesogenen Ölbindemittel und hoffe das meine Jungs endlich mit dem Anhänger um die Ecke biegen. Ein letzter Blick unters Auto zum Getriebe – Wandler explodiert.
Am Ende sind wir aber doch ziemlich zuversichtlich weil wir jetzt so halbwegs wissen, das der Motor die angedachte Leistung machen wird und was wir dafür tun müssen.
Drachten I
Die neue Bahn sieht eigentlich ganz gut aus. Ich warte aber noch wie immer bei „frischen“ Bahnen bis die Traktion sich einigermaßen stabilisiert hat und lass den Anderen erstmal den Vortritt. Nach ein paar Stunden sieht es so gut aus, daß wir den ersten Lauf machen, natürlich mit einem neuen Wandler, der fühlt sich bis zum Schluss eigentlich recht gut an. 7.7 Sek. auf 290Km/h, nicht schlecht, eigentlich sogar sehr gut. Schnell Ventile eingestellt, Öl gewechselt, alles durchgesehen, vollgetankt , auf geht’s.

Ich fang den Burnout an, fühlt sich mal wieder nicht so überzeugend an, ich sehe schon das hektische Gefuchtel der Start Crew und drück den Shut off. Ölpest im Vorstart. Zurück in die Pits und das Getriebe schnell ausgebaut. Fazit, Wandler wieder breit. Habe logischerweise keinen Ersatz mehr, war ja der Reservewandler. Die Rennkollegen kommen vorbei und kondolieren, unter Ihnen der Franzose Jean Dulamon. Der bietet mir ohne zu zögern seinen Reservewandler zum Probieren an, langsam keimt wieder Hoffnung auf. Sein Wandler hat allerdings ca. 2000 rpm weniger stall speed also ca. 5500 rpm. Einerseits verlockend, habe allerdings keine Lust den auch noch in den Orbit zu sprengen. Nach ein paar Telefonaten mit dem Wandlerhersteller wird das Teil vor das Getriebe gestöpselt und vorher noch die Ölpumpe repariert. Warm up, alles gut.

Als wir im Lineup ankommen, will uns einer von der Lineupcrew wieder wegschicken – weil da ist ja vor 3 Stunden noch Öl rausgetropft. Der glaubt wirklich wir haben ein bisschen Öl abgewischt und stehen einfach so wieder da. Ich sag zu meinen Jungs: „ignoriert den Typ einfach, der soll zu mir kommen wenn er eine Erklärung benötigt“. Nicht so meine Frau Andrea (Chefchen), die beginnt mit einem Gemisch aus Englisch, Holländisch und Deutsch für klare Verhältnisse zu sorgen. Klappt auch. Danach nur freundliche Gesten von den Line up Jungs und der Startcrew.

Wohlgemerkt ca. 2000 rpm weniger stall speed. Beginne den Burnout, fühlt sich ziemlich gut an. Gestaged und los geht’s, der Lauf fühlt sich ziemlich gut an und ich rolle mit Schirm und Bremse fast bis zum Ende der Bahn. Meine Jungs und Mädels kommen mit unserem Zugwagen nach einer Weile um mich abzuholen. Wie immer sehen mich die drei mit versteinerter Mine an, das ist so deren Ritual um mich zu ärgern. „Na was denkst du bist du gefahren“, fragt mich Jens, immer noch mit ernster Miene. Ich sag: „ooch fühlte sich nicht schlecht an; so 7,7 Sekunden“? Er schüttelt den Kopf. „Ne 7,6“? frag ich, wieder Kopfschütteln, langsam fängt mein Herz an zu klopfen, „7,56 Sekunden“, sprudelt es aus ihm heraus. Ich denk ich bekomme einen Herzinfarkt, das wäre neuer Europarekord für meine Klasse B/AA Dragster. Ich schmeiße meine Handschuhe und meinen Helm durch die Gegend und hüpfe herum wie ein Irrer und stammle wirres Zeug bis mich meine Jungs und Mädels wieder einfangen, ins Rennauto setzen und mich zurück in die Pits ziehen. Jetzt ist die Welt in Ordnung. Das verlorene Finale gegen (mit) Patricia Kästner spielt an diesem WE für mich keine Rolle mehr.

Zuhause angekommen ist eins klar. ein ordentlicher Wandler muss her, nicht das die anderen etwa Billigzeug waren, aber eben nicht gut genug. Wir entscheiden uns für einen Neil Chance „bolt together“ Wandler. Der Herr Chance garantiert mir am Telefon min. 200 Runs ohne Probleme. 3 Tage später ist er da – speziell angefertigt für meinen Motor. Die Kreditkartenabrechnung macht mich fast ohnmächtig.
Auf geht’s nach Luckau, ist zwar ein richtiges Rennen, für uns allerdings wieder Jugend Forscht, dachte ich. Alles klappt wie am Schnürchen. 2. Qualifier und alles ohne Probleme. Erster Eliminationslauf gegen Silvio Strauch – Rotlicht. Jetzt rächt sich der Umstand, dass ich immer nur versucht habe das Auto so gut und so schnell wie möglich den Strip runter zu prügeln – Ampel? Das hab ich doch schon immer gekonnt – denkste. Ich muss wieder anfangen mich besser zu konzentrieren.

Björn ist in der Mitte des Photos zu sehen
Unser Saisonhöhepunkt naht – Hockenheim. Alle sind aufgeregt. Das Auto geht wie blöd und Die Erwartungen sind hoch. Insgeheim sehe ich mich schon auf dem Siegerpodest den Massen zujubeln (träum). Nach drei Qualiläufen bin ich Top Qualifier mit 7.47sek. auf 295km/h, das sind 0.93 sek unter Index. Einigen meiner „Klassenkameraden“ fällt ungläubig die Kinnlade runter. Ergebnis: Beim zurückziehen erwarten mich die technischen Kommissare mit der Waage. Ich freue mich diebisch. Endlich werden die Fronten geklärt. 4 kg über Soll!! Ich biete auch gleich an noch den Motor auszulitern, die Jungs wollen aber nicht – Schade.

Dann kommen die Eliminations, erster Lauf gegen den immer gutgelaunten und fairen Sportsmann John Tabenham. Bin in Gedanken schon in der nächsten Runde, dann der Schock, ich verpenne den Start so brutal und John zieht ohne Mühe vor mir durchs Ziel. Während ich nur noch halbherzig hinterher eiere zerplatzt die Seifenblase vom Podium mit einem leisen Plop.
Nach ca. zwei Stunden habe ich mich wieder eingekriegt und wir genießen noch den Rest der Veranstaltung, kann endlich mal zugucken, das ist ja auch viel toller als selber fahren.

Leider ist die Saison nach Hock für uns zu Ende, ich habe einen neuen Job und muss mich erst mal darauf konzentrieren. Nächstes Jahr wird aber wieder angegriffen, die Probleme mit dem Antriebsstrang sind vermeintlich ausgemerzt, das Auto ist super wettbewerbsfähig und das Problem zwischen den Ohren kriege ich auch wieder in den Griff.
Björn
Text: Björn Lähndorf,
Bilder: The Dragstripper
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